Frau Emma Hellenstainer und ihre Zeit – Die k.k. Post

Der Personenverkehr wickelte sich auf der Post ab. Der Eilwagen hatte außer Brief- und Paketpost die Fahrgäste von Niederdorf aus nach den Stationen Sillian, Höhlenstein und Bruneck zu befördern. Der Kondukteur fuhr von Klagenfurt, Belluno, Innsbruck aus mit. Toblach, als abseits der Hauptstraße liegend, kam nicht in Betracht, eben so wenig Welsberg und Innichen. Es gab damals kein „Neu-Toblach“. Bis zum Jahre 1871 war weitum kein Haus, nichts, gar nichts befand sich dort, als auf hölzernem Pfahl die Tafel mit der Aufschrift: „Weg nach Wälschland“. Der Eilwagen hatte nur vier Sitze, und wenn der begleitende Kondukteur auf seinen ihm gebührenden Sitz im Innern des Wagens bestand, nur drei. (Allerdings gab es auch Beiwägen.)

Daher wurde es mit Freuden begrüßt, als Josef Hellenstainer im Jahre 1852 eine Stellwagenfahrt zwischen Lienz und Brixen errichtete. So ein Wagen fasste viel Fahrgäste und der Preis war billig; man zahlte von Niederdorf nach Brixen pro Person einen Gulden 40 Kreuzer Konventionsmünze. Der Stellwagen war eine Einrichtung für Geschäftsleute und Bauern: die Vornehmeren benützten den Eilwagen und logierten daher auch meistens im Postgasthaus; da war man auch auf höhere Besuche eingerichtet, da gab es sogar „eine“ richtige Roßhaarmatratze, aber nur eine; diese wanderte von Zimmer zu Zimmer (in den ersten Dezennien des vorigen Jahrhunderts), je nachdem es die Menschenkenntnis der alten Postmeisterin für angemessen fand. —

Gehen wir noch einige Dezennien zurück, so finden wir Herrn Johann von Reinhard zu Thurnfels T. L. M., Verordneten des Herren- und Ritterstandes, Landmilizhauptmann (gest. zu Niederdorf 8. April 1803) als Postmeister (das Wirtshaus war nicht mit der Post vereinigt, es befand sich damals am westlichen Ende der Ortschaft, heute heißt diese Gaststätte Bahnhotel). — Eines Tages kam ein schmucker Kavalier, seinem Gefolge vorauseilend, durchs Dorf. Der junge Herr trat in das Posthaus ein; der Bratenduft wies ihm den Weg zur Küche, er verlangte eine Suppe, welche ihm die dralle Küchenfee aus der für ihre Herrschaft, die Postmeistersleute, hergerichteten Schüssel herausschöpft, dazu bekommt er den in ihrem Mieder steckenden Holzlöffel säuberlich an ihrer weißen Schürze abgewischt. Da keucht der Postmeister heran: „Frau, Frau! An Silberlöffel, es ist der Kaiser!“ —

Aber zu spät! Joseph II. war mit der Suppe fertig, mutwillig packt dieser die junge, feste Köchin unter den Armen, hebt sie hoch, wirbelt mit ihr herum, setzt sie wieder zu Boden und fort war er, dessen Pferd nachgeeilte Lakaien an der Haustüre bereit hielten. So geschehen im Jahre 1769.

Die glückliche Köchin fand im geleerten Suppenteller zwei Dukaten.

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Veröffentlicht von josefauer.com

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