Frau Emma Hellenstainer und ihre Zeit – Das erste Töchterchen

Die hochbeladenen Fuhrwagen, von denen die Rede war, brachten nicht nur Baumwollballen und Bockshörndlfässer, einmal luden die Aufleger einen Holzverschlag ab. „Herr Josef, das ist an Ihre Adresse“. Was mag da enthalten sein? Man schälte aus der sorgfältigen Verpackung heraus — eine schöne politierte Wiege aus Nussbaumholz, von der Mutter in Sankt Johann gesandt; und selbe kam nicht umsonst und nicht zu früh. Bald schaukelte man darin ein ganz kleines Exemplar der Hellenstainer, Emma die II., geboren am 6. April 1844; dann folgte ein Mariechen, eine Josefine, eine Leopoldine in den Jahrgängen 1845, 1847 und 1850.

Man berief eine Organistentochter aus Taisten als Kindsmagd. Kreszenz Torggler; sie war schön, jung, fromm, geduldig; sie wäre ein treffliches Vorbild für die kleinen Mädchen gewesen, hätte sie der liebe Gott nicht zu früh abberufen. Es gab viel Arbeit für Mutter und Zenzi. Doch dem Schwarzadler gegenüber wohnte eine alte Witwe, Frau Stragenegg. Diese hatte die Wohnung als Ausgeding und das Nötige zum Leben musste sie sich mit Nähen verdienen.

Sobald die Hellenstainerkinder laufen konnten, war ihr liebster Gang zur „allen Strageneggin“. Die wusste so schöne Geschichten, machte aus Stoffrestchen allerliebste Puppenkleider, man durfte bei ihr lärmen und tollen; war man müde, so gab’s beim Ofen das hölzerne Kanapee.

Frau Emma und Zenzi waren entlastet.

Autor

Veröffentlicht von josefauer.com

Archivbilder und Genealogie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

weiter zum Onlinekatalog
Historische Fotos und Ansichtskarten online

Weiter zum Ortsregister

X
Schreiben Sie uns gerne, was Sie suchen. Mehr dazu unter >> Bestellung/Kontakt