Als der Witwe Tränen versiegten, als ihr getrübter Blick sich wieder klarer dem Alltagsleben zuwandte, gewahrte sie mit Schrecken, was die schwere Pflege, die Abgeschlossenheit des Krankenzimmers aus ihrer Tochter gemacht hatten: die Rosen von den Wangen waren verschwunden, der Gang müde und schleppend, der Frohsinn gewichen, die Blauäuglein trübe — es war höchste Zeit! „Es wird doch mein seliger Mann nicht auch noch die Tochter nachziehen“ sorgte sie sich. Emma wurde nach Antholz ins Bad geschick.
Es gab weit herum kein besseres Frauenheilbad als dieses Salomonsbrunn in Antholz. Trotz der bäuerlichen Einfachheit war erst vor wenigen Jahren, von hervorragenden Kapazitäten angeordnet, Erzherzogin Adelgunde von Modena mit bestem Erfolg in diesem Badeort gewesen. Emma hatte dort überraschend schnell ihre frühere Gesundheit und Elastizität wiedergefunden und kehrte heim zu ihrer hochbeglückten Mutter.
Auf der Hinreise hatte sie im Gasthof zum Goldenen Stern in Bruneck übernachtet. Auf dieses Faktum kam 32 Jahre später Emma Hellenstainers zweite Tochter Marie, nachmalige Frau Toldt, Sternwirtin in Bruneck, welche im alten Fremdenbuche des Hotels mit feiner, zierlicher Handschrift eingetragen fand in der Rubrik „Namen“: Emma Hausbacher, „Woher“: St. Johann im Leukentale, „Wohin“: Bad Salomonsbrunn in Antholz, „Zimmer“: Nr. 2.
Und drei Jahre später wohnte im Zimmer Nr. 2 Erzherzog Franz Josef (der Kaiser), der mit seinen Brüdem, Karl Ludwig und Maximilian, im goldenen Stern abgestiegen war, auf der Reise nach Bozen und Vinschgau begriffen. Die Prinzen ließen sich Bruneck gut gefallen, das heißt, zwei davon, dem dritten war wegen irgendeines losen Streiches den ganzen Tag Stubenarrest zudiktiert. Selbe waren von Kärnten her über Niederdorf gekommen, ein paar Tage später kam Erzherzog Franz Karl, deren Vater, nach. Aus diesem Anlasse rückte im letztgenannten Dorfe die Schützenkompagnie unter dem Hauptmann Karl von Kurz zur Parade aus; er war in schwarzem Frack, weißen Beinkleidern und „Krapfenhut“; die Schützen in roten Joppen und gelbgrünen, breitkrämpigen Hüten. Veteranen von anno neun befanden sich genug dabei, darunter der Hofstätterbauer namens Lercher von Außerprags, der seinerzeit die Bergisel-Schlacht mitgemacht hatte.