Der Schimmelreiter

Etwa eine halbe Stunde unter Völs und 3 Stunden von Kastelruth entfernt liegt am Schlernbach unter dem Tschafanberg das Dorf Ums. Von diesem westwärts liegen die Ruinen von dem einst majestätischen Schlosse Schenkenberg, worauf edle Deutschritter gleichen Namens hausten. Bis auf die neueste Zeit waren Schloß, Gericht und Güter Eigentum der Colonna, Freiherrn von Völs, bis der letzte Völser im Jahre 1804 starb. Die Schenkenberger waren mit denen von Völs im 14. Jahrhundert in blutiger Fehde auf Tod und Leben, und mancher Frevel ward geübt in und um Schenkenberg, bis Gottschalk von Boymont im Jahre 1330 mit gewichtiger Hand und beredtem Munde den Streit endete, der nun aber mit Haß und heimlichen Verfolgungen fortgeführt wurde.

Doch der gewaltige Schritt der Zeit zermalmte alles, Freunde und Feinde, und es blieb nichts über als Trümmer und ein gespenstischer – Schimmelreiter. Ein Ritter auf weißem Pferde, noch jung erscheinend wie einst, sprengt abends oftmals aus den Bögen der Ruine hervor und eilt ins Weite. Auch soll, so berichtet die Schenkenberger Sage, in den Kellergewölben ein goldenes Kegelspiel zu finden sein, eine Sage, die sich in vielen Burgruinen wiederholt.

Quelle: Deutsche Alpensagen. Gesammelt und herausgegeben von Johann Nepomuk Ritter von Alpenburg, Wien 1861, Nr. 365.

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Veröffentlicht von josefauer.com

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