Frau Emma Hellenstainer und ihre Zeit – Primiz in St. Johann

Und so ging’s im Schwarzadler weiter durch Freud’ und Leid. Im Winter gemütlich und ruhig, der Sommer brachte Scharen fremder Gäste. Im Mai eröffnete Franz Josef Malinverno, ein Leipziger, die Saison. Dieser verlebte durch volle 39 Jahre stets den Sommer in Niederdorf, Frühjahr, Herbst und Winter in Meran im Hotel Erzherzog Johann. Das Jahr 1889 brachte ihn, der so gerne Fußwanderungen unternahm, auf dem Rollsessel; er konnte sein liebes Niederdorf nicht mehr aufsuchen: das gab ihm den Rest. Er starb am 29. Oktober 1889 und fand in Meran seine letzte Ruhestätte.

Eduard hatte im Jahre 1856 ein Brüderchen, namens Hermann, erhalten; die zwei ältesten Töchter gingen der Mutter schon tüchtig an die Hand. Da kam von der Großmutter aus St. Johann eine Einladung zur Primiz ihres jüngsten Sohnes Alois, dabei durfte seine Schwester, Frau Hellenstainer, nicht fehlen. Sie wollte Marie und Josefine mitnehmen, letztere war als geistliche Braut bestimmt. Welche Freude, als der Vater seine Einwilligung gab. Gleich ging’s an die Vorbereitungen und die Kutsche wurde in Stand gesetzt. War damals zur Hochzeit der alte Hörbst als Kutscher gefahren, so  traf es jetzt den jüngeren Schiener Seppele. Dieser hielt schon fleißig Umfrage bei seinen erfahreneren Kollegen um Direktiven zu dieser langen Reise. Doch Josef hatte schon alles genau bestimmt: am ersten Tag ging’s bis Sterzing, am zweiten nach Innsbruck, wo man sich einen Tag aushalten sollte, am vierten Tage nach Rattenberg und am fünften lag man in Großmutters Armen.

Das war eine Festlichkeit in St. Johann, wie um Fronleichnam. Frau Hausbacher schwamm im Glück! Wie wurde sie beneidet, zwei Söhne am Altar zu haben. Aber nicht genug damit. Sie hatte sich des Enkels Rudolf Egger, des Sohnes ihrer ältesten Tochter Marie, die den Bezirksrichter Egger von Ried geheiratet hatte, dessen Eltern aber gestorben waren, angenommen. Rudolf studierte im Borromäum zu Salzburg. Frau Hausbacher hoffte, der Enkel werde dieselbe Laufbahn wählen, wie seine beiden geistlichen Onkel, und wollte ihm das ganze Studium bezahlen. Talentiert und fleißig, machte er der Großmutter bis zu ihrem im Jahre 1867 erfolgten Tode nur Freude. Aber ihren Herzenswunsch erfüllte er nicht. Kaiser Max berief Volontäre für Mexiko. Rudolf, eine prächtige Figur, war nahezu zwei Meter groß, sprengte alle Bande und zog mit als Leibgardist. Nach dem unglücklichen Ende des jungen Herrschers trat er in die österreichische Armee ein und brachte es zum General. Frau Hausbacher wollte nach der Primiz Tochter und Enkelinnen noch recht lange bei sich behalten, aber Frau Emma zog es mit Gewalt nach Hause und so nahm sie Abschied von der guten Mutter, welche sie in diesem Leben nicht mehr sehen sollte.

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