Frau Emma Hellenstainer und ihre Zeit – Die Theatergesellschaft

Trotz der schweren Schicksalsschläge und nie fehlenden großen Sorgen verfügte Frau Emma über eine heitere Lebensanschauung und sonnigen Humor, den sie auch auf ihre Umgebung verbreitete. Sie war auch allem vernünftigen Fortschritt stets zugetan, sonst wäre ja ihre Gründung nicht so ins Ungemessene gestiegen. Dass alle sich in ihrem Hause wohl fühlten und aufmerksam bedient wurden, hätte dafür wohl nicht ausgereicht. Sie war es, die im Herbst 1866 die Anregung gab, für die Wintermonate ein heiteres Dilettantentheater in die Wege zu leiten.

Ist es nicht merkwürdig, dass so ungefähr alle fünfzig Jahre in Niederdorf ein Drang, sich auf den Brettern zu versuchen, zum Vorschein kommt? Zum Beispiel in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts, als nach den großen Umwälzungen und dem Kriegselend Europa und auch unser kleines Land wieder allmählich ins Gleichgewicht kam, als in der Jugend der Drang nach allem Schönen und Edlen mächtig Betätigung suchte, fing das Theaterspielen in Niederdorf an.

Die jungen Vidal, Hellenstainer, Jäger, Kühbacher und andere taten sich mit Eifer zusammen und gaben im „Lieutenanthaus“ Vorstellungen. Nach einem Gewährsmann waren es vorzugsweise Ritterstücke und Dramen. Schillers Räuber wurden so lange studiert, probiert und Fleiß daran verwendet, bis das Stück zu einer (wenigstens nach ihrer Meinung) hervorragenden Vollendung gediehen war. Nach dem Krieg von 1866 fand Frau Emma mit klugem Sinn den geeigneten Mann, um noch einmal das Theaterspielen einzuführen, von dem sie sich mit Recht für die Jugend Gutes versprach.

In Josef Wassermann fand sie die geeignete Persönlichkeit. Dieser, ein geborener Sextner, kam mit seinem Bruder Ende der fünfziger Jahre nach Niederdorf, etablierte und verheiratete sich daselbst. Er erfüllte in puncto Theater glänzend die auf ihn gesetzten Erwartungen als Leiter desselben, unterstützt von den besten Bürgern und Bürgerstöchtern. Unter ihnen befanden sich: Ferdinand Hellenstainer, Tischlermeister Walch, Schuhmacher Steffaner und andere, sowie Fräulein Pauline Hellenstainer, Postmeisterstochter, Marie Hellenstainer, Kaufmannstochter, Luise Hellenstainer, das Ladenfräulein Marie Wurzer usw. Sogar an das Nestroysche Stück „Der Wirrwarr“ oder „Der Mutwillige“, „Lumpazivagabundus“ wagten sie sich, und die kleine Dilettantengesellschaft war im Stande, diese Possen mit Erfolg aufzuführen. Beweis dessen die Tatsache, dass die Welsberger Gerichtsherren, Herr von Braitenberg und Bezirksrichter Heiler, sowie manche Brunecker Herren ständige Besucher waren.

Überhaupt tat sich in Niederdorf die in der stillen Zeit dort herrschende Geselligkeit derart hervor, dass sie sogar Landeshauptmann Eduard von Grebmer seinen Bruneckern als mustergültig anpries. Freilich schenkte ihnen ein gütiges Geschick die hiefür geeigneten Talente und war Frau Emma dazu angetan, selbe zu fördern und das Ganze schien mit ihrem Wesen und ihrem Hause verwachsen. Mit dem Ableben des alten Herrn Wassermann ging das Spiel ein. Nun sind reichlich fünfzig Jahre herum, ein furchtbarer Krieg vorbei, da meldet sich wieder das Schauspieltalent in diesem Dorfe, welches Fama als das schönste des Landes erklärt. Es ist eine Theatergesellschaft beisammen, welche die vorangegangenen weit übertrifft.

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