Frau Emma Hellenstainer und ihre Zeit – Die Schwiegermutter

Die alten Postmeistersleute zogen sich nun in das zum Teil ihnen gehörige „Lieutenant“-Haus, dem Schwarzadler gegenüber, zurück. Dasselbe war ehemals das Gerichtshaus der Grafen Görz; dort befand sich im Parterre und im ersten Stock je ein Zimmer mit kunstvoll geschnitzter Decke aus dem 15. Jahrhundert, (heute nur mehr das im ersten Stock vorhanden).

Ein altes Gemälde ziert die Fassade. Diese Fresken, einen Ritter und die Inschrift: Glück ist mein Geding, wenn viel ich gen Hofe bring, sowie die Wappen der Grafen von Görz und der Strigl darstellend, wurden seinerzeit von einem „Maurer“ ausgebessert und neu hergestellt. Bekanntlich sollen Leute von dieser Zunft nicht am besten zum Restaurieren von Gemälden geeignet sein.

Die Schwiegermutter Maria, eine gebürtige Amhof, vom Keilwirtshause in Gsies, hatte ihrem Manne, dem Postmeister, ein schönes Vermögen zugebracht (geb. 1785 am 8. Februar, gest. 1849 am 15. März). Oft und gerne erzählte Frau Emma von ihrer gütigen und klugen Schwiegermutter. Als ihr zweiter Sohn Josef, von dem unsere Geschichte handelt, als neugeborenes Kind neben der Mutter Bett in der Wiege schlummerte, hieß es plötzlich: Die Franzosen kommen! Man kann sich denken, wie bei diesem Schreckensruf alles in wilde Flucht gejagt wurde. Bald darauf hörte die arme Wöchnerin Sporen klirrende Krieger die Treppe heraufstürmen, die Türe fliegt auf — Hereinstürzen bärtige, rauhe Soldaten. Das Herz droht der Frau stille zu stehen, als einer der Franzosen sich über die Wiege beugt. Er hebt nur den Schleier behutsam zur Seite, blickt das Kindlein an, lächelt der jungen Mutter gutmütig zu — und fort ist die ganze Rotte.

Aber bald nachher musste dieselbe Frau erleben, dass ihr Lieblingsbruder Nikolaus Amhof, Keilwirt, und wie damals die meisten Wirte im Pustertal, war auch er Schützenkommandant, gefangengenommen und von General Broussier, dem Grausamen, als „Rebellenführer“ zum Tode verurteilt wurde. Um einem Fluchtversuche Amhofs zuvorzukommen, wurde sein Schwager, der Post Franz, bis nach vollzogener Exekution in Gewahrsam gehalten. Von den Kugeln der Franzosen niedergestreckt, blieb der Freiheitsheld, neben ihm der vom gleichen Schicksale betroffene Tagger Hansl, ein ausgezeichnet edler Mann, durch drei Tage als warnendes Beispiel auf hohem Galgen ausgestellt, wobei Niederdorfer Bürger Wache stehen mussten!

Für die zitternden Bewohner ein grauenerregendes Beispiel. Blutige Eiszapfen hingen an den Leichen. Dies erzählte mir eine Augenzeugin, Frau Stragenegg. Da der erst zwanzigjährige Nickl sich kurze Zeit vorher verheiratet hatte, war die Trauer umso größer. In der Fensterscheibe des Zimmers Nr. 10 war von seiner Schwester mit ihrem Diamantring der Name des Opfers und das Datum der Hinrichtung eingeschnitten.

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